Vorzeitige Ejakulation: Ursachen und Verbreitung

Das Problem, beim Sex zu früh zu "kommen", kann für betroffene Männer sehr belastend sein. Was viele nicht wissen: Die sexuelle Störung ist weit verbreitet und kann verschiedene Ursachen haben.

So können Erektionsprobleme vorzeitig hervorgerufen werden.

Vorzeitige Ejakulation ist kein Schicksal

Viele Männer meinen, es sei Schicksal, wenn sie ihren Samenerguss beim Sex nicht kontrollieren können. Gedanken wie: „Ich bin einfach kein guter Liebhaber…“ kommen auf. Viele Betroffene setzen sich deshalb massiv unter Druck oder vermeiden sexuelle Situationen, um dem Problem aus dem Weg zu gehen. Das Phänomen des „ejakulatio praecox“ (so lautet der medizinische Fachbegriff) ist in der Medizin aber bekannt und hat auch fast immer handfeste Ursachen.

Das Krankheitsbild ist unterschiedlich

Es werden zwei Formen der vorzeitigen Ejakulation unterschieden:

  • Lebenslange Form – Das Problem, beim Sex sehr schnell zu ejakulieren, tritt seit der ersten sexuellen Aktivität auf und bleibt auch mit mehr Erfahrung und zunehmendem Lebensalter bestehen. Die Störung ist unabhängig von Situation und Sexualpartner.
  • Erworbene Form – Betroffene hatten früher kein Problem mit vorzeitigem Samenerguss. Seit einiger Zeit können sie den Zeitpunkt des Orgasmus aber nicht mehr kontrollieren und kommen regelmäßig zu früh. Diese Form tritt fast immer in Verbindung mit Begleiterkrankungen, psychischen Belastungssituationen oder Paarkonflikten auf (siehe unten).

Sie müssen sich mit einem unbefriedigenden Sexleben und dem Problem, viel zu früh zu ejakulieren, nicht abfinden.

Vorzeitige Ejakulation lässt sich behandeln

Die vielleicht wichtigste Information für betroffene Männer: Sie müssen sich mit einem unbefriedigenden Sexleben und dem Problem, viel zu früh zu ejakulieren, nicht abfinden. Beide Formen des vorzeitigen Samenergusses haben greifbare Ursachen und sind vielfach behandelbar.

Ursache sind meist Hormonmangel oder Begleiterkrankungen

Bei Männern, die schon immer unter vorzeitigem Samenerguss gelitten haben („lebenslange Form“), ist von einem Mangel an dem Hormon Serotonin auszugehen. Der Serotonin-Mangel hat zur Folge, dass die sogenannte „Plateau-Phase“ (intensive sexuelle Erregung, die für eine Weile nicht weiter ansteigt) vor dem Orgasmus stark verkürzt ist und der Mann die Ejakulation nicht zurückhalten kann.

Männer, bei denen die erworbene Form der vorzeitigen Ejakulation auftritt, leiden oft an Begleiterkrankungen oder befinden sich in einer psychischen Belastungssituation, die das Problem auslösen oder verstärken. Eine Überfunktion der Schilddrüse, Prostata-Entzündungen, aber auch psychische Störungen (z.B. Angst-Erkrankungen, Depressionen, Borderline-Syndrom, allgemeine Überempfindlichkeit) können mit vorzeitigem Samenerguss einhergehen. Wenn Sie seit einiger Zeit an vorzeitigem Samenerguss leiden, sollten Sie bei einem Internisten oder Urologen abklären lassen, ob eine Begleiterkrankung vorliegt. In einigen Fällen ist auch eine Überempfindlichkeit der Penisspitze (Eichel) Ursache für eine sehr frühe Ejakulation während des Geschlechtsverkehrs.

Jeder fünfte Mann ist von vorzeitigem Samenerguss betroffen. Damit gehört die Erkrankung zu den häufigsten sexuellen Störungen beim Mann.

Viele Männer kennen das Problem – aber nur wenige sprechen darüber

Obwohl der Umgang mit Sexualität im Allgemeinen immer offener wird, ist frühe Ejakulation immer noch ein großes Tabuthema. Viele Betroffene denken deshalb, dass sie mit ihrem vermeintlich „peinlichen“ Problem, beim Sex zu früh zu kommen, fast allein dastehen. Das ist falsch! Vorzeitiger Samenerguss ist absolut keine Seltenheit: Jeder fünfte Mann ist davon betroffen. Damit gehört die Erkrankung zu den häufigsten sexuellen Störungen beim Mann.

Nicht jeder Mann, der früh kommt, leidet an einer sexuellen Störung!

Ob ein Mann tatsächlich an der sexuellen Störung „vorzeitiger Samenerguss“ leidet, lässt sich nicht immer eindeutig sagen. Manchmal empfinden Männer die Zeit, die vom Eindringen in die Partnerin bis zum Orgasmus vergeht, als viel zu kurz – obwohl sie, objektiv betrachtet, vollkommen normal ist. Als Faustregel gilt: Männer, die beim Geschlechtsverkehr regelmäßig bereits innerhalb der ersten 2 Minuten kommen, sind betroffen.

Manchmal ist das frühe Kommen auch ganz normal

Wichtig ist auch, die Situation, in der ein Mann schnell ejakuliert, zu berücksichtigen. Bei ersten sexuellen Erfahrungen, beim Sex mit einer neuen Partnerin oder nach einer langen Phase der Enthaltsamkeit, ist es ganz normal, besonders erregt zu sein und deshalb nicht lange „durchzuhalten“. In solchen Fällen hat eine frühe Ejakulation mehr mit Aufregung und Euphorie zu tun – und ist wirklich kein Grund zur Sorge! Generell ist es als normal anzusehen, wenn ab und zu mal ein “zu früher” Samenerguss auftritt.