Metabolisches Syndrom und Testosteronmangel

Zu viel Stress, zu viel fettiges Essen, zu wenig Bewegung... Ein Testosteronmangel ist selten reines Schicksal. Sehr häufig tritt er im Zusammenhang mit ungesunder Lebensweise und ernsten Begleiterkrankungen auf.

Übergewichtige Männer sind besonders gefährdet, am Metabolischen Syndrom zu erkranken.

Testosteronmangel ist selten angeboren

Nur bei einem kleineren Teil der Betroffenen ist eine angeborene Störung der Hormonbildung im Hoden die Ursache von Testosteronmangel (z.B. beim eher seltenen Klinefelter-Syndrom). Der Mangel kann auch durch Erkrankungen, Verletzungen oder Verlust der Hoden ausgelöst werden. Doch auch diese Ursachen kommen nicht allzu häufig vor.

Begleiterkrankungen erhöhen das Risiko für Hormonmangel

Viel mehr können ein ungesunder Lebensstil und typische Erkrankungen, die regelmäßig damit einhergehen, den Testosteronspiegel sinken lassen. Bei Männern jeden Alters steigt das Risiko für Testosteronmangel erheblich, wenn sie an Bluthochdruck, Adipositas (Fettleibigkeit), erhöhten Blutfettwerten („Cholesterin“) oder Diabetes leiden.

Besonders gefährlich: Das Metabolische Syndrom

Im Zusammenhang mit Testosteronmangel spielt besonders das sogenannte „Metabolische Syndrom“ eine wichtige Rolle. Gefährdet sind übergewichtige Männer mit viel Fettgewebe am Bauch. Deshalb wird die Erkrankung auch „Wohlstands-Syndrom“ genannt.

Risikofaktor „Wohlstandsbauch“

Mediziner sprechen vom „Metabolischen Syndrom“, wenn bei einem Patienten mindestens drei von vier Risikofaktoren zusammentreffen:

  • bauchbetontes Übergewicht, bzw. Fettleibigkeit (Bauchumfang bei Männern über 94 Zentimeter)
  • erhöhte Blutfettwerte (Triglyceride über 150 mg/dl, HDL-Cholesterin unter 40 mg/dl)
  • erhöhter Blutdruck (über 130/85)
  • erhöhter Blutzucker (Nüchtern-Blutzucker über 100 mg/dl)

Jede einzelne dieser vier Faktoren gefährdet die Gesundheit auch unabhängig von den anderen massiv – und erhöht zusätzlich das Risiko für Testosteronmangel. Treten die Erkrankungen in Kombination auf (was bei einer rasant steigenden Anzahl von Patienten der Fall ist) besteht akute Gefahr, durch das Metabolische Syndrom an Diabetes, aber auch an Herzkrankheiten, Arterienverschluss oder Schlaganfall zu erkranken.

Bauchfett und Testosteronspiegel – ein Teufelskreis

Bei den meisten Patienten, die ein Metabolisches Syndrom aufweisen, sinkt gleichzeitig der Testosteronspiegel. Andersherum begünstigt ein niedriger Testosteronspiegel durch seine Bedeutung im männlichen Stoffwechsel aber auch die Entstehung und Manifestierung des Metabolischen Syndroms. Im Zentrum dieses Teufelskreises steht das dicke Bauchfett des Patienten. Denn das Bauchfett ist nicht nur eine Last, die man(n) mit sich herumschleppt. Vielmehr ist es ein hochaktives Gewebe (fast wie ein eigenständiges Organ), das mit zahlreichen Hormonen und Entzündungsstoffen im Körper interagiert. Diese Wechselbeziehung beeinflusst den Testosteronspiegel auf negative Weise. Vereinfacht ausgedrückt verwandeln die metabolischen Prozesse, die durch das Bauchfett ausgelöst werden, das Männlichkeitshormon in weibliches Östrogen. Folge: Im Körper sinkt der Testosteronspiegel. Häufig kann man betroffenen Männern dieses Phänomen sogar ansehen: Muskeln werden schlaffer, die Statur verliert an Spannung, an der männlichen Brust entstehen typische weibliche Fettpolster. Nicht selten leiden Patienten, die ein Metabolisches Syndrom entwickelt haben, durch die enge Beziehung zum Testosteronmangel auch an mangelnder Libido und/oder Erektionsstörungen.

Bauchfett beeinflusst den Testosteronspiegel auf negative Weise.

Mit Testosteronmangel fällt Abnehmen doppelt schwer

Männer, die bereits ein metabolisches Syndrom und den oft damit einhergehenden Testosteronmangel entwickelt haben, sollten vorallem ihr Gewicht (und besonders ihren Bauchumfang) reduzieren. Das Schwierige daran: Gerade das Abnehmen fällt mit einem bestehenden Testosteronmangel besonders schwer, denn das Männlichkeitshormon wird auch zum Fettabbau und Muskelaufbau benötigt.